Nordseetauglicher Micro Magic

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strungsmeier
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Re: Nordseetauglicher Micro Magic

Beitrag von strungsmeier » 21.07.2019, 21:20

Hi Marco,

Danke. Ich war mir nicht sicher was für eine Micro Magic ich da erstanden habe. Aber bei dem super geringen Preis und den vielversprechenden Fotos habe ich dann sogar eine einstündige Autofahrt auf mich genommen, was ich für Kleinanzeigen sonst nie tue. Das Verkaufsgespräch dauerte dann nach erster Betrachtung auch keine 2 Minuten und ich verließ das Haus und hielt meine erste Micro Magic in den Händen :lol:


Die Fahrzeit müsste ja dann echt kein Problem sein. Super. Da kann den Urlaub ja fast nichts mehr im Wege stehen

Schönen Abend noch
Lukas

Spielzeugsegler
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Re: Nordseetauglicher Micro Magic

Beitrag von Spielzeugsegler » 22.07.2019, 12:20

Hallo Lukas,

mit so einer MM war ich auch einige Male auf dem Mittelmeer am Badestrand unterwegs. Das waren z.T. die interessantesten Fahrten, die ich mit der MM je hatte (bzw. es war eine ziemliche Toberei fürs Boot - im Gegensatz zum öden Binnenland geschipper,-))

Nebenbei, das Ding ist ein ideales Urlaubsböötchen!

Die Ringösen an Deck (und auch die Haken der Takellage) vertragen das Salzwasser nicht, die muss man wirklich schnell mit Süsswasser abspülen und abtrocknen. (Sie rosten aber auch schon bei Süsswasser…) Ebenfalls die Madenschrauben bei der Ruderstange, diese gut fetten, sonst sind die u.U. nach dem Urlaub fest. Ruderachse auf jeden Fall gut fetten (da hilft auch schon Vaseline, wenn man nicht extra Kugellager-Fett einpacken will. Sonnencreme geht nicht ,-))) Ich hab dazu beim Einpacken des Bootes an beiden Enden in den Ruderkoker etwas Kugellagerfett gedrückt und das hat dann beim Zusammenbau gereicht (bzw. ich hatte noch etwas Reserve vom rausgedrückten Fett dann übrig). Das Ruder hab ich nicht nach jedem Segeln rausgenommen, nur dann am Ende des Urlaubs beim Zusammenpacken in handliche Einzelteile fürs Fluggepäck. Gab keine Korrosionsspuren.

Ich hatte bei der Fockschotdurchführung anfangs nur ein kurzes Stück Bowdenzuginnenrohr eingeklebt (ca. 4 mm, Rohrenden beidseitig innen gut mit einem Bohrer von Hand entgratet), das die Öffnung verkleinerte. Das ging dann mit der originalen Schotschnur noch so gerade hinsichtlich Leichtgängigkeit beim Fieren. Später gab es längere und innen gebogene Röhrchen, aber auch dünnere Schnur.

Da bei meiner cMM die Deckeldichtung recht gut dichtete (zumindest beim normalen Segeln), gabs anfangs kein Klebeband drauf. Für normales Segeln reichte das, fürs am Strandtoben ist dagegen zusätzlich Klebeband besser. Ich hab dazu billiges weiches PVC-Isolierband verwendet, was dann nach dem Segeln leider zu Abfall wurde. Zellpack kannte ich damals noch nicht. Normales Tesa geht nicht gut.

Ein paar Taschentücher (bzw. gefaltetes Klopapier) unten auf dem Rumpfboden gelegt, damit durch die Schotdurchführungen eindringendes Wasser aufgesogen wird und es nicht rumschwappt. Lieber ein paar Blätter zuviel als zu sparsam einlegen. Empfänger wurde oben neben dem Kielkasten unter das Deck geklettet. Unten am Boden war nur völlig frei der in Schrumpffolie verpackte Akku.

Den Akku möglichst weit nach hinten bringen, steigert die Segelleistungen bei Frischwind bzw. Wellengang merkbar. Ein flacher AA-Akku ist dazu besser, als die Batteriebox, da man den Akku dann weiter nach hinten unter die Plicht setzen kann.

AA-Zellen liefern normalerweise Strom für mehrere Stunden, auch bei stromhungrigeren Digitalservos.

Das wars an "technischen" Maßnahmen.

Boot wurde nach jedem Segeln sofort komplett unter die Stranddusche gehalten (bzw. Badezimmerdusche – die ist meist besser regelbar…) (Schotdurchführung dabei mit Finger zugehalten) und danach gleich sorgfältig abgetrocknet, Deckel auf, Tücher raus und alles offen stehen gelassen.

Auch wenn wirklich nur wenig Wasser drinnen war, waren bereits nach dem ersten Urlaub dann innen alle Schrauben der Servos angerostet. Aber ansonsten hat sich das Material wacker geschlagen. Alle Holzteile innen waren unlackiert. Auch die eigentlich ungeschützten Alurohre des Riggs zeigten nur wenig Mattierung an der Oberfläche.

Später mal wet protect für die RC-Teile benutzt, aber quasi nur on top für den Fall einer Beschädigung des Rumpfes mit richtig Wasserbeaufschlagung. (Die kann es ggfs. beim Rumtoben in „Brandungswellen“ am Strand geben…, aber es kann auch durch andere Strandnutzer kritisch werden (Jetskis, Paddelboote, Surfer,….))

Wobei auch der Sender geschützt wurde, denn, sofern man es mag, im Uferbereich / Strand selbst ein bisschen mit im Wasser stehend (was bei 30-35° + Sonne satt durchaus angenehm sein kann…), kann es dabei einiges an Spritzwasser geben, wenn eine Welle mal ungünstig an einem hoch klatscht… (OK, wenn man einen etwas dickeren Bauch hat, hält der vielleicht auch etwas mehr davon ab…).
Ob das an der Nordsee aber angenehm sein mag?

Der recht weiche Alumast ist übrigens gar nicht schlecht, wenn das Boot in einer brechenden Strandwelle kopfüber geht und dabei ggfs. dann mit dem Mast heftig unten im Sand/Steine aufschlägt, verbiegt er, was etwas Druck auf den Rumpf rausnimmt ,-)) Kann man danach wieder geradebiegen (mit Gefühl, sonst knack).

Übrigens verträgt das Boot bei etwas Strandwellen, also höheren Wellen, als normal so auf unseren Teichen üblich, das eigentlich ja nur für Leicht-Mittelwind ausgelegte Rigg viel besser als gedacht (bzw. braucht es das sogar), als es beim normalen Segeln in „Flachwasser“ der Fall ist. Der Wind ist bei der etwas turbulenteren, rauheren Wasseroberfläche deutlich geringer fürs Boot, als es sonst der Fall ist, bzw. man es sonst im Binnenland auf den Seen und Teichen gewöhnt ist. Kleinere Starkwind / Sturmsegel hatte ich zwar anfangs dabei, aber die waren am Strand nicht nötig, ganz im Gegenteil, mit denen lief es nicht so gut. Hatte ich anfangs nicht erwartet.

Das Großsegel dabei ruhig recht/ziemlich offen trimmen, also mit gut Verwindung im Achterliek (oben am Wind dann auch durchaus flatternd) und keinesfalls einem mittig dichtgeholtem Großbaum, der sollte max. ca. hinten zur Plichtkante bzw. nach außen zur Heckkante hin zeigen! (Es geht hier ja nicht um die letzten paar Grad hoch am Wind in einer Regattagruppe, ausserdem mag die MM eh kein sehr dicht geknalltes Großsegel)

Schönen Urlaub!

Thomas

strungsmeier
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Re: Nordseetauglicher Micro Magic

Beitrag von strungsmeier » 25.07.2019, 14:20

So der Urlaub hat begonnen. Ich habe es leider zeitlich nicht mehr geschafft ein Röhrchen an die Decksdurchführung der Vorsegelschot anzubringen.

Von innen sieht mein Boot jetzt wie folgt aus.
IMG_20190722_195217.jpg
IMG_20190722_195217.jpg (1 MiB) 162 mal betrachtet
Die alte Akkukiste ist wieder eingebaut lässt sich aber jetzt einfach nach hinten unter die Plicht schieben. Links wo sie Kabel verschwinden hängt der Empfänger am Kielkasten. Ich hoffe der Schwamm kommt mit den Mengen Wasser klar die über die Fokschot reinkommen.

Sobald die erste Testfahrt stattgefunden hat melde ich mich wieder.

Liebe Grüße und danke an eure schnellen und ausführlichen Antworten

Lukas

haegar
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Re: Nordseetauglicher Micro Magic

Beitrag von haegar » 26.07.2019, 13:06

Schau im Baumarkt mal nach sog. Saugschwämmen. Die sind trocken hart wie Stein (lassen sich dadurch leicht in handliche Stücke sägen), und werden bei Wasseraufnahme erst weich. Die Dinger saugen mindestens so gut wie ein Tampon. Ein normaler Schwamm, wie auf Deinem Foto zu sehen., kann nicht sehr viel Wasser aufnehmen. Da sind Tampon oder Saugschwamm die deutlich besseren Alternativen.
Gruß aus Teltow
Achim

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bora
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Re: Nordseetauglicher Micro Magic

Beitrag von bora » 26.07.2019, 15:50

guter Hinweis Achim! Ich wusste nicht, wie die Dinger richtig heißen. Das auf meinem Bild ist so ein Saugschwamm. Ist trocken komplett hart und nimmt richtig viel Wasser auf.
Grüße an den Wannsee!
Ralf
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strungsmeier
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Re: Nordseetauglicher Micro Magic

Beitrag von strungsmeier » 29.07.2019, 21:47

Guten Abend

In den letzten Tagen musste die MM mehrfach ins Salzwasser. Dabei waren die ersten Male eindeutig zu viel Wind aber es hat trotzdem enorm viel Spaß gemacht. Um so ironischer ist es, dass ausgerechnet auf Helgoland der erste Segelturn heute war, wo so wenig Wind war, dass ich auch mal ein Bild schießen konnte.
IMG_20190729_200945.jpg
IMG_20190729_200945.jpg (273.17 KiB) 116 mal betrachtet
Es war jedesmal, obwohl ab und zu kurzfristig nur der Mast raus schaute, wenig Wasser im Boot.

Schönen Abend noch
Euer Lukas

Gerd MM
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Re: Nordseetauglicher Micro Magic

Beitrag von Gerd MM » 01.08.2019, 15:55

Hallo Lukas,

Klasse Foto :D .
Du hast die richtige Einstellung :!: .

Die MM ist hochseetauglich.
Bei halben Wind surft sie die Wellen, nur so runter.

Wenn du nur den Baukastenkiel hast, dann mit Minisegel.
D- oder sogar E-Rigg Segel.

Altes Forum, Thomas Dreyer u. viele andere Experten haben Segelschnitte entwickelt.

Ich hatte oft mit D-Riggsegel, Surferlebnisse.
Nach der Kieler Woche, Nordseewoche u. sogar auf Sardinien.
Wasser wird bei stürmischen Winden, immer etwas drin sein. Schwamm, hilft, gut 8-) .
Trotzdem, immer nach einer kurzen Zeit prüfen, wieviel Wasser drin ist ;) .

Viele Grüße
Gerd
GER 196

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